Seit jeher bestehen Menschen im Überlebenskampf durch unterschiedlichste Waffen. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ging der Homo errectus bereits vor rund 400.000 Jahren mit Wurfspeeren auf die Jagd. Seit der humanoiden Existenz besteht das Streben nach Verbesserung, Erleichterung und Weiterentwicklung.
In Bezug auf Waffen lässt sich die Entwicklung einer Speerschleuder vor etwa 20.000 Jahren in der Altsteinzeit als revolutionär bezeichnen. Diese zur damaligen Zeit hauptsächlich im südlichen Mitteleuropa verbreitete Waffe wird bis heute beispielsweise in Australien genutzt. Wann und wo genau die Geschichte vom Bogenbau wie auch des Bogenschießens ihren Ursprung hat, lässt sich nicht auf eine bestimmte Kultur oder Nation festlegen.
Funde von prähistorischen Zeichnungen in Spanien und der Sahara, welche von Forschern auf 50.000 v. Chr. datiert wurden, zeigen die Verwendung von Pfeil und Bogen. In Mannheim-Vogelstang wurde der bislang älteste Bogenfund zutage gefördert. Das etwa 40 cm lange Fragment eines Kiefernholzbogens (ca. 110 cm lang) deutet mit seinem wissenschaftlich datierten Alter von 17.600 Jahren auf eine eventuelle Verwendung im Jungpaläolithikum (jüngere Altsteinzeit) hin. In den 1930ger Jahren wurden in Stellmoor bei Hamburg auf dem Grund eines ehemaligen Teiches unter anderem Schaftfragmente geborgen, welche der Stielspitzengruppe zugeordnet werden konnten. Diese lebten vor etwa 11.000 Jahren in Norddeutschland und waren spezialisiert auf die Rentierjagd.
Aus dem Mesolithikum (Mittelsteinzeit) stammende Funde, beispielsweise aus Holmegaard (Dänemark), zeigen die hauptsächliche Verwendung von Ulmen- und Eschenholz im traditionellen Bogenbau. Später folgte eine Ablösung durch Eibenholz, welches damals als das beste Bogenholz bezeichnet wurde. Diesem Ruf folgt das Holz bis heute. Aufgrund der benötigten Unmengen kam es zu der Abholzung von Eibenwäldern in ganz Europa, weshalb dieses Holz bis heute nur zu horrenden Preisen zu haben ist und unter Naturschutz steht.
Der Maere-Heath-Bogen zeigt ebenso wie der Holmegaard-Fund das Wissen der Menschen aus vergangener Zeit um den Bogenbau. Trotz der Tatsache, dass der Bau dieses Bogens mehr Zeit und Mühe beanspruchte, verstand der Erschaffer sein Handwerk meisterlich. Breite Nocken an diesem langen Bogen erlaubten dem Benutzer die Verwendung möglichst schwerer Pfeile.
Nicht zu vergessen, in der Liste der historischen Beweise für den Bogenbau und dessen Verwendung, ist der „Jahrhundertfund“ eines etwa 5.300 Jahre alten Mannes („Ötzi“) in den Ötztaler Alpen, dessen Ausrüstung unter anderem aus einem Langbogen mit dazugehörigem Köcher und 14 Pfeilen bestand.
Die Reitervölker der eurasischen Steppe sind vermutlich hauptverantwortlich für die Entwicklung des Kurzbogens. Dieser war gegenüber dem Langbogen von mechanischem Nachteil, weshalb eine Weiterentwicklung zum Recurvebogen mit zurückgebogenen Bogenenden und Kompositbogen mit Sehnen- bzw. Hornverstärkungen stattfand. Dadurch entstand ein handlicher Bogen, welcher mit unter Leistungsfähiger war als der lange Vertreter der Waffe.
Der Sudbury-Bogen, hergestellt in der Mitte des 17. Jahrhunderts, gilt als der älteste wie auch berühmteste Bogen, welcher von den Indianerstämmen des nordamerikanischen Kontinents verwendet wurde. Dieser hocheffiziente Bogen auf der Basis eines geraden Bogenstabes war in der Kultur der Ureinwohner der am weitesten entwickelte, welcher das gleiche Maß an Energie wie ein Langbogen speichern konnte und zudem weich auszuziehen war mit zeitgleichem fast schockfreiem Schuss.
Der afrikanische Bogenbau bezieht sich nicht auf eine bestimmte Länge oder Zuggewichte, da diese Bögen in sämtlichen Variationen vertreten sind. Meist sind sie rund oder oval und im Verhältnis zum Schützen kürzer, jedoch mit größerer Standhöhe. Gerade bei Buschmännern sind typische afrikanische D-Bögen in kleinerem Maßstab favorisiert, um diese leichter transportieren und unauffälliger benutzen zu können. Zwar ist die Speicherung der Energie bei diesem Pfeil und Bogen geringer, im Leerschuss übertreffen die handlichen Bögen jedoch meist die langen.
Unter dem Namen „englischer Langbogen“ firmieren unter anderem verfeinerte, kürzere wie auch schmale Bögen mit geringerem Zuggewicht und stark gewölbtem Bogenbauch wie auch die teils Handgelenkdicken „Panzerbrecher“ des Mittelalters und die geborgenen Bögen aus dem 450 Jahre alten Wrack der Mary Rose. Diese Weiterentwicklung des klassischen Langbogens diente gerade im Mittelalter als effizienteste Fernkampfwaffe, welche von einer einzelnen Person bedient werden konnte. Langbogenschützen hatten gegenüber den Schützen mit einer Armbrust den Vorteil, dass sie bis zu 12 Pfeile pro Minute abschießen konnten, während der Gegner in derselben Zeit nur einen Bolzen abfeuerte.
Der Bogenbau tendiert heutzutage immer mehr zurück zu den traditionellen Wurzeln. Obgleich sich aus Langbogen, Selfbow oder Primitivbogen wie auch dem Jagd-Recurve bis heute Hightech Sportbögen entwickelt haben, steigt die Zahl derer, die wieder mit altertümlichen oder selbst hergestellten Bögen arbeiten. Vermehrt werden Kurse angeboten, in welchen der traditionelle Bogenbau erlernt und ein eigener Bogen aus Holz samt Pfeilen hergestellt werden kann. Bedacht werden sollte bei diesem Vorhaben jedoch, dass die Kunst im Bogenbau das Wissen über viele Feinheiten des Holzes, des Tillerns und der Physik des angestrebten Bogens verlangt um solch präzise Bögen wie unsere Vorfahren herstellen zu können.